Premiere "Amour" Immer wieder die Liebe

Jean Faure & Orchestre im Pantheon

 Von Ulrike Strauch

Lieben kann man eine ganze Menge, auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Und den Franzosen sagt man nach, dafür einen besonderen Sinn zu besitzen. Insofern also keine allzu große Überraschung, dass Jean Faure & Orchestre das neue Programm, das jetzt im gut besuchten Pantheon Prermiere feierte, schlicht und einfach „Amour“ genannt haben.

Nun, so schlichjt und einfach auch wieder nicht: Denn die 24 Titel reichen weit über das hinaus, was das deutsche „Gehör“ gemeinhin unter dem Begriff Chanson verstanden wissen will. Irgendetwas schwermütiges von Jacques Brel? Aber der war Belgier. So viel dazu. Doch keine Sorge: Natürlich kommt kein Programm dieser Art jemals an ihm vorbei. Das weiß Faure ebenso gut wie Hedayet Djeddikar (Klavier, Keyboards), Dirk Ferdinand (Schlagzeug), Matthias Höhn (Saxofon, Bassklarinette, Concertina, Charango), Kristaps Grasis (Gitarren, Mandoline, Ukulele) und Markus Quabeck (Kontrabaß, E-Baß). Und natürlich klingt ihrer aller Version von „Ne me quitte pas“ leidenschaftlich, berührend, wunderbar.

Aber vor allem ist dieser Abend eine launige Hommage an das Genre schlechthin. An die kleinen Nichtigkeiten („Ces petits riens“) zum Beispiel, die Serge Gainsbourg besungen hat; an Préverts „Feuilles mortes“ (Die toten Blätter) aus dem Jahr 1945, die Hymne der Nachkriegszeit in Frankreich. Oder auch an den Mann, der unter dem Balkon seiner Frau Marie-Christine („Je suis sous“) sturzbetrunken Besserung gelobt.

Andere dagegen wissen vielleicht nicht, ob das, was sie haben, noch Freundschaft ist oder schon Liebe („Amour, amitié“). Wie so etwas im Mittelalter klang, zeigt ein burgundischer Springtanz anno 1530. Und wenn dieser Abend schon lange aus ist, wird der Verehrer von Brels Madeleine noch immer mit einem Blumenstrauß im Regen stehen und warten. Allein, aber nicht hoffnungslos.

 General Anzeiger 23.05.2018

 

Chansonnier Jean Faure gastiert mit Ensemble im Pantheon. Die Musiker machen alles richtig an diesem ersten Abend in Beuel.

Das erlebt selbst das Pantheon nicht alle Tage: Die Besucher erheben sich von ihren Plätzen und spenden zum Finale geradezu frenetischen Applaus. Ungewöhnlich auch: Auf der Bühne verneigt sich an diesem denkwürdigen Abend kein arrivierter Wortkünstler vom Schlage eines Michael Mittermeier oder Torsten Sträter, sondern ein bescheidener Sänger aus Bonn, ein Chansonnier.

Jean Faure genießt den Erfolg, denn er hat ihn verdient. Er weiß das, auch wenn er es nie zugeben würde. Zwei Jahrzehnte lang hatte der Wahlbonner in der jährlichen Karnevalsrevue Pink Punk Pantheon als „Vereinsfranzose“ das Programm angereichert mit Lieblingschansons aus seiner französischen Heimat. Mit einem abendfüllenden Solo hat er sich zunächst nicht auf die Bühne gewagt, man musste ihn zum Jagen tragen. Matthias Höhn, Mitglied in Faures „Orchestre“, hatte hinter dem Rücken des Sängers einen Konzerttermin noch im alten Pantheon gebucht, das war vor zehn Jahren. Der Plan ging auf, es folgten weitere Vorstellungen, die meisten ausverkauft.

Dem neuen Pantheon fehlt, zumindest auf den ersten Blick, der Kuschelfaktor. Dafür erlaubt der Saal rund 150 zusätzliche Besucher. Und dann das: ausverkauft! 430 begeisterte Menschen. Mehr noch: Auf die enorme Nachfrage reagieren die Veranstalter mit einem Zusatzkonzert am 7. Juli.

Die Musiker machen alles richtig an diesem ersten Abend in Beuel. Sie betreten nacheinander die Bühne, intonieren der Reihe nach das Stück „Le jazz et la java“ von Claude Nougaro – und akklimatisieren damit nicht nur sich, sondern auch das Publikum. Clubatmosphäre stellt sich ein. Es folgen ein paar Klassiker: „La mer“, „C’est si bon“ und „Ne me quitte pas“. Jean Faure erweist sich dabei als Meister der Moderation, er erzählt Geschichten zu den Liedern und bindet sein Personal charmant ein.

Auch da sind Profis am Werk: Pianist Hedayet Djeddikar beherrscht die Klaviatur des Chansons auch in den Jazzsequenzen, Dirk Ferdinand trommelt markant und zurückhaltend zugleich, Markus Quabeck zupft einen supercoolen Kontrabass, und Kristaps Grasis überzeugt sogar beim Blues mit der Fender Telecaster. Matthias Höhn wiederum ist eigentlich mehr Maler als Musiker – ein Impressionist, der mit Saxofon, Concertina und Dudelsack die wunderbarsten Klangfarben generiert.

Jean Faure und sein Ensemble demonstrieren mit der Auswahl der Lieder und ihren facettenreichen Arrangements die Vielfalt des Chansons. Das ist kein nostalgischer Klangkitsch vom Montmartre, sondern eine dynamische Kunstform, die viele Moden überlebt hat. Und noch weitere überdauern wird. Chapeau! 

Heinz Dietl, General Anzeiger Bonn, 6.3.2017

Der Sänger Jean Faure präsentiert im Pantheon ein Best-of-Konzert. Der gebürtige Franzose lebt seit Ewigkeiten in Bonn. Unlängst ist er mit Band für ein Konzert in seine Heimatstadt Gap gereist.

Von Heinz Dietl, 25.02.2017

Er redet viel – und bestreitet damit seinen Lebensunterhalt. Jean Faure veredelt in Funk und Fernsehen mit seiner sinnlich-sonoren Stimme die Werbespots von Moët & Chandon, Davidoff und Esthée Lauder. Auf der Internetseite des Bonners, der 1946 im südfranzösischen Gap zur Welt kam, finden sich einige Hörbeispiele. Faure arbeitet zudem als Übersetzer, und er synchronisiert die französischen Fassungen deutscher Filme, in der Vergangenheit etwa „Die Zweite Heimat“ von Edgar Reitz und „Der Große Bellheim“ von Dieter Wedel.

Jean Faure hat seine Heimatstadt Gap bereits 1964 verlassen, um Germanistik in Grenoble zu studieren. 1969 kommt er nach Bonn, verdingt sich als Sprecher im Bundespresseamt und fraternisiert mit der jungen Folkszene der Bundeshauptstadt. 1983/84 hebt er mit Rainer Pause und weiteren Kabarettisten den alternativen Karneval aus der Taufe, in den Folgejahren gibt Faure in der Revue Pink Punk Pantheon den Vereinsfranzosen, der Chansons von Georges Brassens bis Serge Gainsbourg mit rheinischem Augenzwinkern darbietet.

2007 ist dann Schluss mit Kabarett und Karneval. Doch die Musik bleibt seine Leidenschaft. Jean Faure hätte zwar ein abendfüllendes Repertoire, doch er traut sich damit nicht auf die Bühne. „Ich dachte immer, diese Chansons seien im Original tausend Mal besser als in meiner Version“, sagt er im Rückblick. Das Bonner Publikum sieht das anders, vermisst den charmanten Chansonnier.

Dann wird Matthias Höhn, Mitglied in Faures Ensemble, hinter dem Rücken des Sängers aktiv – und bucht eigenmächtig einen Konzerttermin im Pantheon. „Aus der Nummer kam ich nicht mehr raus“, sagt Faure.

Ein Schachzug mit Folgen. Das Debüt ist ausverkauft, das Wiederholungskonzert bestens gefüllt. In den vergangenen zehn Jahren hat Faure mit seinem kleinen „Orchestre“ regelmäßig am Bundeskanzlerplatz gespielt, dann zunehmend auch in anderen Städten. Jetzt sind zehn Jahre vergangen, der Künstler zieht Bilanz und zitiert eine große Kollegin: „Ich bereue nichts“, sagt er.

Unter dem Titel „Anniversaire“ feiert die Formation das Jubiläum mit einem Konzert im neuen Pantheon, das für immerhin 460 Besucher ausgelegt ist. „Der Vorverkauf läuft vielversprechend“, gesteht Faure in gewohnter Bescheidenheit.

Mit Ensemble in die französischen Alpen

Regelrecht ins Schwärmen gerät der Franzose, wenn er auf einen ganz besonderen Höhepunkt dieser späten Karriere angesprochen wird. Im Oktober 2015 folgte Faure einer Einladung aus seiner Heimatstadt – und reiste mit dem Ensemble in die französischen Alpen. „Der Bürgermeister von Gap hatte uns eingeladen, nachdem er erfahren hatte, dass ich Musik mache.“ Faures Schwester, die im Kulturleben von Gap aktiv ist, hatte den Auftritt arrangiert.

Erste Überraschung: „In der ganzen Stadt hingen riesige Plakate zum Konzert – ein merkwürdiges Gefühl, wenn du nach so vielen Jahrzehnten in deine Heimatstadt kommst und auf diese Weise empfangen wirst.“ Zweite Überraschung: „Wir spielten in einem schönen großen Saal vor mehr als 300 Besuchern.“ Es kamen viele Schulfreunde und auch Mitglieder von Faures alter Theatergruppe aus den frühen sechziger Jahren. Ein Erfolg also.

„Ich habe sozusagen Eulen nach Frankreich getragen“, erklärt Faure und wirkt noch immer erstaunt bis erleichtert. Denn er hat sich in Gap an das kulturelle Erbe der Grand Nation getraut, flankiert von einer deutschen Band.

Und er hat ein kurioses Stück aus der gemeinsamen Jugend gespielt: „Sag warum“ von Camillo Felgen, dem damals bekannten Luxemburger Sänger und Fernsehmoderator („Spiel ohne Grenzen“). „Das Lied war in den sechziger Jahren der Klammerblues der Franzosen, auch wenn keiner den deutschen Text verstanden hat“, erinnert sich Faure und geht ins Detail. „Es ist ein kurzes Lied; wenn man ein bisschen baggern wollte, musste man die Platte noch mal auflegen.“

Jean Faure begeistert mit "Les grands succès" im Pantheon

"...bereits nach wenigen Takten erfüllt den Saal eine fast greifbare sentimentale Stimmung, der man sich nur schwer entziehen kann. (...) Galant mäandriert Faure zwischen Melancholie, Romantik und Lebenslust, ohne dabei ins Kitschige oder Übertriebene abzudriften. Die Schwere und gleichzeitige Leichtigkeit seiner interpretierten Chansons nimmt man ihm ohne Zögern ab. Wohl kaum kann man Liebeskummer besser ertragen als an der Seite von Jacques Brel, Georges Brassens und Serge Gainsbourg."

Bonner Rundschau

La chanson française bien servie

Jean Faure, s’il vit à Bonn en Allemagne depuis 40 ans, a la chanson française chevillée au corps. (...) Côté scène, de la bonne chanson française, toujours de très beaux textes et un orchestre de cinq musiciens prodigieux. Brel, Ferré, Nougaro, Boris Vian et puis ce gérontophile désopilant de Bernard Joyet. (…)

Un humour grinçant, de la dérision dans les enchaînements, mais aussi de la gravité, comme avec cette chanson “Craonne”, hommage aux poilus de 14. « Si vous voulez la guerre, payez-la de votre peau… »

Comme le chante, avec Maxime Le Forestier, ce Gapençais, en hommage aux immigrés : « Être né quelque part c’est toujours un hasard… »

Dauphiné Libéré  06.10.2015

Chansonier Jean Faure sorgt für überwältigenden Konzertabend

Eine „Tour de France“ der anderen Art erlebten die Zuhörer auf der Hauptburg von Schloss Burgau. Nicht die Rennräder surrten, sondern französisches Flair schwirrte in den Räumen. Und eine volltönende dunkle Stimme malte musikalische Landschaftsbilder, sang moritatenhafte Balladen, Protest-, Liebes-, Tanz und Trinklieder bekannter Chansonniers aus dem Nachbarland.
Exzellente Band Jean Faure war mit seiner exzellenten Band im Rahmen des Konzertforums der Cappella Villa Duria und der Lions-Kulturtage ins Schloss gekommen. Er nahm das Publikum auf eine frische, spritzige und gefühlsbetonte Reise von Paris über das Elsass bis nach Québec, Belgien und wieder Übersee. Eine Exkursion, die begleitet wurde von leisen und literarischen Tönen des französischen Chansons, dem kecken Wortwitz eines Charles Trenet, den Alltags-Miniaturen von Jacques Prevert und Leo Ferre, den Liebesliedern voller Tristesse und Sinnlichkeit eines Jacques Brel. Yves Montands „Paris“ war der Startpunkt zu einer Entdeckungsreise, im flotten Swingstil auf der Route National 7, die Trenet besingt, nach Süden in die Auvergne mit Liedern von Georges Brassens, in der das harte Leben beschrieben wurde. Weiter ging es nach Lyon mit einer Reminiszenz an den „zornigen Volkssänger“ Aristide Bruant, der den Aufstand der Seidenweber in harte, aufschreiende Töne fasste und wohl auch Quergedanken zu Gerhart Hauptmanns „Die Weber“ spann.
Jean Ferrat „Was wäre ich ohne dich“ erklang. Ein zu Herzen gehendes Liebeschanson, ein spöttisches „Die Verliebten auf den öffentlichen Bänken“ in Sete oder Claude Nougaros Hymne auf „Toulouse“ waren weitere Höhepunkte in den Interpretationen und Intonationen des Franzosen aus Gap, der schon seit Jahrzehnten in Bonn lebt. Zwischen Traum und Realität schwebte er mit Felix St. Claire in Québec und ließ dann beim Halt in Belgien Jacques Brel erklingen und machte auf der Weiterreise zur Bretagne das Publikum zum Chor. Immer weiter war Jean Faure unterwegs, präsentierte neue Melodien und Klänge, in Deutschland ziemlich unbekannte Chansons und neue Erkenntnisse für das Publikum im Burgsaal dank einer unterhaltsamen Moderation zwischen den Tönen. Wenn man auch nicht jeden Text der Lieder verstand – es genügte auch, einfach nur Jean Faure zuzuhören, wenn er mit seiner unvergleichlichen Stimme an die Größen des französischen Chansons erinnerte. Nicht minder stark war das Orchester mit seinen fünf Vollblutmusikern, die ihre Instrumente sicher beherrschten und eine originale französische Begleitung stellten. Neben von Jazz angehauchten Arrangements überzeugten Hedayet Djeddikar (Klavier und Melodica), Dirk Ferdinand (Schlagzeug, Percussion), Kristaps Grasis (Gitarren und Mandoline), Matthias Höhn (Concertina, Flöten, Bassklarinette, Bouzouki, Saxofon, Dudelsack) und Markus Quabeck (Kontrabass und Bassgitarre). Ein toller Abend auf Schloss Burgau, mit einem Sänger und Orchester, das für Nachhaltigkeit sorgte.

Dürener Zeitung vom 18. März 2015

 

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