Jean Faure und die toten Blätter

Auf dieser CD wird vor und nach jeder Nummer wie wild applaudiert, manchmal auch gejohlt, getrampelt, gepfiffen, als ginge es nicht um ein Debüt, sondern um ein lang herbeigesehntes Comeback. Und diese Musiksorte hat ja nun, ehrlich gesagt, auch schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel. Tatsächlich aber tritt Jean Faure, Synchronsprecher, Schauspieler und einem Spezialpublikum in Bonn längst bekannt als der trockene kleine "Vereinsfranzose" des 1. FKK (Erster Freier Kritischer Karnevalsverein), hier zum ersten Mal solo auf im Bönnschen Pantheon. Faure singt klassische französische Chansons, wie "La Foule", "La Mer", "Nathalie", "Göttingen", "Et Maintenant", "Le Poinçonneur Des Lilas" oder "Feuilles Mortes". Er singt mit mehr Stimme als Brel, hat mehr Witz als Bécaud, weniger Schmalz als Aznavour, trifft seine Töne auf jeden Fall sicherer als Serge Gainsbourg, und er kokettiert hinreißend mit den genremäßigen Testosteron-Klischees, wenn er sich, zum Beispiel, in "Ne Me Quitte Pas" gleich den ersten Ton eine Oktave tiefer abholt. Keine Verarschung, eher eine Verschärfung. Überhaupt steckt bei Faure mehr Musik zwischen Wort und Ton als beim Chanson sonst üblich - und Musik schadet ja nichts, sie hilft eher. Großartig die Band, die für einen breiten Fächer an Farben sorgt: Debussy mit Möwengekreisch! Die Grenze zwischen Parodie und Pathos wird hauchdünn, es ziept im Herzen.

Eleonore Büning   (FAZ Sonntagszeitung vom 28.11.2009)

Les Grands Succès -  Konzert am 2.5.2009 im Pantheon, Bonn

(...) Jean Faure pickt sich neben manchen, auch in Deutschland beliebten Hits aus der französischen Musikkultur genauso manches Chanson heraus, von dem viele hierzulande noch nichts gehört haben - und das macht sein Konzert erst recht zu Erlebnis. Es ist eine Mischung von Liedern, die manch frankophile Zuhörer mitsingen, zumindest aber mitsummen können, und Chansons, die selbst Franzosen kaum bekannt sind. Boris Vian, Serge Gainsbourg sind die Autoren, und natürlich Georges Brassens, Jacques Brel, Edith Piaf, Gilbert Bécaud, Georges Moustaki, Charles Aznavour, dazu Barbaras "Göttingen" und Pascal Danels "Kilimandjaro". (...)
Höhepunkt des Abends: Eine beeindruckende Interpretation von "Ne me quitte pas", in der Faure klugerweise darauf verzichtet, Brel auch nur ansatzweise zu kopieren, sondern sich darauf beschränkt, nur dessen Lied zu singen, und zwar auf eigene Weise überzeugend. Und dann sind da noch die eigenen Gassenhauer: Berlin s'éveille, Schängs Adaption des Hits von Jacques Dutronc, der in der französisch-deutschen neuen Fassung vom Ende der Teilung in der alten Hauptstadt berichtet, als die Mauer fiel und ein erstaunter Franzose die Deutschen außer Rand und Band erlebte, aber anders als in der Nähe des Bonner Lochs am Karneval...
Rundum ist das neue Programm eine Steigerung gegenüber dem ersten, und es wäre schön, wenn die "Grands succès", die Jean Faure zusammengestellt hat, auch für ihn und sein Orchestre zu einem großen Erfolg würden. Zu wünschen wäre es nicht nur ihm, sondern auch seinen Musikern.

Gerd Schinkel  -  Daumenkritik

Mit reichlich Charme - Jean Faure gastiert mit Orchester im Pantheon

Er ist der Franzose von Bonn - und wurde in dieser Eigenschaft 25 Jahre lang von Karnevalisten missbraucht. Beim Pink Punk Pantheon jedenfalls durfte er Sketche mitspielen, in Fußtruppen über die Bühne marschieren und singen - womit der Beweis erbracht wurde, dass Rheinländer nicht nur intrigieren, sondern auch integrieren können. Im vergangenen Jahr hat Jean Faure dann mit eigenem Programm die Bühne erobert. Die Show war grandios, die Resonanz überwältigend. Da capo!
Und es gibt eine Wiederholung. Faure präsentiert seine Lieblingschansons von Serge Gainsbourg bis Jacques Brel. Und er moderiert mit reichlich Charme. Kongenial dazu passt die Geschmeidigkeit seines Orchesters.(...)

General Anzeiger Boulevard  (17.5.2008)

Jean Faures umjubeltes Chanson-Debüt im Pantheon

(...) Kaum betritt er die Bühne, in knallrotem Hemd und schwarzer Hose, tobt das Publikum. Jean Faure und seine Lieblingslieder, Jean Faure und Orchester, Jean Faure, endlich, als Chansonnier. (...) Augenzwinkernd, herzlich, ironisch. Das ist Jean Faure. Doch nicht nur das. Wenn er Brels "La chanson des vieux amants" und "Le port d'Amsterdam" intoniert, oder, später, in der Zugabe Préverts "Feuilles mortes", dann liegt ein tiefer Ernst in seiner Stimme. Ein Vortrag, der sich aus Schlichtheit nährt. Faure zehrt nicht von aufdringlichem Pathos. Er schlüpft in die Rollen, agil und leicht. (...)

General Anzeiger  (11.10.2007)

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