Der Sänger Jean Faure präsentiert im Pantheon ein Best-of-Konzert. Der gebürtige Franzose lebt seit Ewigkeiten in Bonn. Unlängst ist er mit Band für ein Konzert in seine Heimatstadt Gap gereist.

Von Heinz Dietl, 25.02.2017

Er redet viel – und bestreitet damit seinen Lebensunterhalt. Jean Faure veredelt in Funk und Fernsehen mit seiner sinnlich-sonoren Stimme die Werbespots von Moët & Chandon, Davidoff und Esthée Lauder. Auf der Internetseite des Bonners, der 1946 im südfranzösischen Gap zur Welt kam, finden sich einige Hörbeispiele. Faure arbeitet zudem als Übersetzer, und er synchronisiert die französischen Fassungen deutscher Filme, in der Vergangenheit etwa „Die Zweite Heimat“ von Edgar Reitz und „Der Große Bellheim“ von Dieter Wedel.

Jean Faure hat seine Heimatstadt Gap bereits 1964 verlassen, um Germanistik in Grenoble zu studieren. 1969 kommt er nach Bonn, verdingt sich als Sprecher im Bundespresseamt und fraternisiert mit der jungen Folkszene der Bundeshauptstadt. 1983/84 hebt er mit Rainer Pause und weiteren Kabarettisten den alternativen Karneval aus der Taufe, in den Folgejahren gibt Faure in der Revue Pink Punk Pantheon den Vereinsfranzosen, der Chansons von Georges Brassens bis Serge Gainsbourg mit rheinischem Augenzwinkern darbietet.

2007 ist dann Schluss mit Kabarett und Karneval. Doch die Musik bleibt seine Leidenschaft. Jean Faure hätte zwar ein abendfüllendes Repertoire, doch er traut sich damit nicht auf die Bühne. „Ich dachte immer, diese Chansons seien im Original tausend Mal besser als in meiner Version“, sagt er im Rückblick. Das Bonner Publikum sieht das anders, vermisst den charmanten Chansonnier.

Dann wird Matthias Höhn, Mitglied in Faures Ensemble, hinter dem Rücken des Sängers aktiv – und bucht eigenmächtig einen Konzerttermin im Pantheon. „Aus der Nummer kam ich nicht mehr raus“, sagt Faure.

Ein Schachzug mit Folgen. Das Debüt ist ausverkauft, das Wiederholungskonzert bestens gefüllt. In den vergangenen zehn Jahren hat Faure mit seinem kleinen „Orchestre“ regelmäßig am Bundeskanzlerplatz gespielt, dann zunehmend auch in anderen Städten. Jetzt sind zehn Jahre vergangen, der Künstler zieht Bilanz und zitiert eine große Kollegin: „Ich bereue nichts“, sagt er.

Unter dem Titel „Anniversaire“ feiert die Formation das Jubiläum mit einem Konzert im neuen Pantheon, das für immerhin 460 Besucher ausgelegt ist. „Der Vorverkauf läuft vielversprechend“, gesteht Faure in gewohnter Bescheidenheit.

Mit Ensemble in die französischen Alpen

Regelrecht ins Schwärmen gerät der Franzose, wenn er auf einen ganz besonderen Höhepunkt dieser späten Karriere angesprochen wird. Im Oktober 2015 folgte Faure einer Einladung aus seiner Heimatstadt – und reiste mit dem Ensemble in die französischen Alpen. „Der Bürgermeister von Gap hatte uns eingeladen, nachdem er erfahren hatte, dass ich Musik mache.“ Faures Schwester, die im Kulturleben von Gap aktiv ist, hatte den Auftritt arrangiert.

Erste Überraschung: „In der ganzen Stadt hingen riesige Plakate zum Konzert – ein merkwürdiges Gefühl, wenn du nach so vielen Jahrzehnten in deine Heimatstadt kommst und auf diese Weise empfangen wirst.“ Zweite Überraschung: „Wir spielten in einem schönen großen Saal vor mehr als 300 Besuchern.“ Es kamen viele Schulfreunde und auch Mitglieder von Faures alter Theatergruppe aus den frühen sechziger Jahren. Ein Erfolg also.

„Ich habe sozusagen Eulen nach Frankreich getragen“, erklärt Faure und wirkt noch immer erstaunt bis erleichtert. Denn er hat sich in Gap an das kulturelle Erbe der Grand Nation getraut, flankiert von einer deutschen Band.

Und er hat ein kurioses Stück aus der gemeinsamen Jugend gespielt: „Sag warum“ von Camillo Felgen, dem damals bekannten Luxemburger Sänger und Fernsehmoderator („Spiel ohne Grenzen“). „Das Lied war in den sechziger Jahren der Klammerblues der Franzosen, auch wenn keiner den deutschen Text verstanden hat“, erinnert sich Faure und geht ins Detail. „Es ist ein kurzes Lied; wenn man ein bisschen baggern wollte, musste man die Platte noch mal auflegen.“

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